SPD-Ortsverein lud zur Kulturveranstaltung zum Internationalen Frauentag
Begeisternde 1920er-Jahre-Revue „Rendezvous auf Stöckelschuh“
24. März 2026 – Sie zählt seit 27 Jahren zu den Hauptaktivitäten der örtlichen Sozialdemokraten: die Kulturveranstaltung zum internationalen Frauentag, die in diesem Jahr wegen der Landtagswahlen in Baden-Württemberg etwas verschoben werden musste und exakt am „internationalen Tag gegen Rassismus“ stattfand. Die Verantwortlichen rätselten, was wohl die Gründe seien, dass es noch freie Plätze im Festsaal der Sonnbergschule gab. Ist es die derzeitige Weltlage mit den Kriegen, den damit verbundenen Sorgen und den Folgen für die Wirtschaftslage, die derzeit schmerzlich an den Zapfsäulen der Tankstellen erlebbar sind? Ist es die schlechte Stimmung gegen die Partei, die in dem Ergebnis der Landtagswahlen überdeutlich wurde? Jedenfalls gelang es an diesem Abend hervorragend, die Stimmung bei den Anwesenden aufzuhellen, wobei es erfreulich war, dass einige Gäste dem Wunsch nachkamen, im Stile der 1920er Jahre gekleidet zur Veranstaltung zu erscheinen.
Die Sprecherin der SPD-Gemeinderatsfraktion, Ulrike Schweizer, hieß die Gäste willkommen und dankte den fleißigen Helfern, die diese Veranstaltung ermöglichten, allen voran Uli Wagner und Herbert Bangert und stellte die Künstlerin sowie die Gastrednerin Farah Maktoul vor. Rica Westenberger studierte klassische Oper und Kunstgesang und sei seit 1995 Mitglied im Opernchor des Nationaltheaters Mannheim, wobei sie mit großer Freude immer wieder in die intimere Atmosphäre der Kleinkunstbühnen abtauche. Maktoul sei vor zehn Jahren im Alter von 15 Jahren in Sinsheim in die SPD eingetreten und seitdem in unterschiedlichsten Funktionen politisch aktiv. Sie sei Mitglied im Kreisvorstand Rhein-Neckar und Landesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft „Migration und Vielfalt“ Maktoul war Landesgeschäftsführerin und stellvertretende Landesvorsitzende der Jusos und arbeitete als Referentin und wissenschaftliche Mitarbeiterin im Deutschen Bundestag.
Farah Maktoul beglückwünschte die anwesenden Damen zum Frauentag und den Ortsverein zu der stolzen Tradition dieser Veranstaltung, die einst von der damaligen Sprecherin der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen, Helma Ermler, ins Leben gerufen wurde. Das wandelnde Rollenverständnis der Frau in der Gesellschaft machte sie mit Erlebnissen in ihrer Familie deutlich. Ihr algerischer Opa habe ihr von den „guten alten Zeiten“ erzählt, als die Männer im Wirtshaus und die Frauen zuhause waren. In der heutigen Generation seien die Frauen selbstbewusst, klebten nicht mehr am Herd und dennoch habe der Frauentag seine Bedeutung nicht verloren – „er geht uns alle etwas an“. Maktoul würdigte die besonderen Leistungen der alleinerziehenden Mütter bei der Überwindung der Hürden des Alltags und der Frauen, die mit ihrer Care-Arbeit die Gesellschaft am Leben hielten. Auf den aktuellen Fall von Collien Fernandes eingehend forderte sie, dass die Täter bei digitaler Gewalt durch Deepfakes oder Fake-Profile zur Verantwortung gezogen würden und die bestehende Gesetzeslücke bei der Verfolgung und Bestrafung digitalen Missbrauchs schnell geschlossen werde, Sie beleuchtete die Gewalt gegen Frauen, wobei das eigene Zuhause der gefährlichste Ort darstelle. Mit dem Programm der Veranstaltung erinnere man an jene Zeit, als in einer toleranten, offenen Gesellschaft die Frauen frech, laut und selbstbewusst wurden.
Stimmungsgemälde des Nachtlebens
Die Mannheimer Chansonsängerin und Musikkabarettistin Rica Westenberger, am Klavier von Daniel Prandl und am Kontrabass von Martin Bärenz begleitet, präsentierte sich als „Berliner Göre“ der wilden 1920er Jahre, schlüpfte in unterschiedlichste Frauenrollen jener spannenden Zeit und nahm ihr Publikum mit auf eine spannende Reise in die damalige Vergnügungsjagd und Abgründe. Ihre frech-frivolen Lieder präsentierte sie mit großer Bühnenpräsenz gleichermaßen mit facettenreicher Stimme, schauspielerischem Können und beeindruckenden Tanzeinlagen. Ihre Songs aus den Kabarett-Revuen vor hundert Jahren porträtierten ein Stimmungsgemälde des verruchten Berliner Nachtlebens in den Cafés und Bars am Berliner Kurfürstendamm. Mit Kurt Weill fragte die Chanteuse „Wo sind die Tränen von gestern Abend?“ , empfahl „Du musst die Männer schlecht behandeln“ (sonst spielen sie den Herrn im Haus), porträtierte die Stadt mit Hildegard Knef „Berlin, dein Gesicht hat Sommersprossen“, forderte mit Claire Waldoff, seinerzeit als „befreite Frau“ eine typische Repräsentantin der Kulturszene „Raus mit den Männern aus dem Reichstag“ und beschrieb mit Kurt Weill „Berlin im Licht“, seinerzeit eine Auftragskomposition der Berliner Stadtwerke. Als Gossengöre wurde es ihr „so mulmig um die Brust“, sie beschrieb den Seelenzustand „Beim erstenmal, da tut’s noch weh“, gewährte humoristische Einblicke in das Empfinden einer Barfrau oder beschrieb die „Enthüllungen einer Striptease-Tänzerin“. Sie streute die Gedichte von Erich Kästner „Plädoyer einer Frau“ und „Berlin in Zahlen“, letzteres übrigens mit beeindruckenden Parallelen zur Gegenwart, und eine Anleitung im Charlston-Tanz ein, wobei sie die Damen zur tänzerischen Mitwirkung aufrief. Die Herren im Saal fragte sie, „ob sie mitgebracht oder freiwillig hier sind“. Mit dem bekannten Peter Kreuder-Lied „Musik! Ich brauche keine Millionen“ und der Zugabe „Was macht der Meier am Himalaya?“ beschloss Westenberger ihre höchst amüsante musikalische Zeitreise und wurde mit ihren Musikern mit viel Beifall, Blumen und Weinpräsenten belohnt.




