SPD-AG 60plus:Herbert Bangert skizzierte Lebenswerk von Ludwig Frank
Hoffnungsträger für einen demokratischen Parlamentarismus
18. April 2026 – Das Monatstreffen der Arbeitsgemeinschaft 60plus im SPD-Ortsverein war einem Mann gewidmet, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts von seiner Wahlheimat Mannheim aus national und international sozialdemokratische Politik mitbestimmte und vor dem Ersten Weltkrieg innerhalb seiner Partei zum großen Hoffnungsträger für eine künftige demokratisch-parlamentarische Ordnung wurde. Zunächst aber blickte man auf die für die SPD wenig erfreulichen Wahlergebnisse der Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz zurück und beleuchtete insbesondere das enttäuschende Abschneiden in Laudenbach, wo man gegenüber der Wahl 2021 deutliche Verluste hinnehmen musste. Die Wähler hätten allerdings den Einsatz des bisherigen Abgeordneten Sebastian Cuny gewürdigt und ihm ein deutlich besseres Erststimmenergebnis zukommen lassen als der Partei bei den Zweitstimmen. Geradezu erschreckend, so AG-Sprecher Herbert Bangert, sei das Abschneiden der AfD am Ort, die mit 19,2 Prozent nahezu ein Fünftel der Wählerstimmen verbuchen konnte. In Rheinland-Pfalz habe die SPD zwar ein beachtliches Ergebnis weit über dem Bundestrend erreicht, aber dennoch den Regierungsauftrag an die CDU verloren.
Herbert Bangert, langjähriger Stadtdirektor in Mannheim, ging in seinem Vortrag über Ludwig Frank zunächst auf die Bedeutung der Quadratestadt für die Sozialdemokratie ein und stellte neben Frank den ehemaligen in Mannheim geborenen Reichskanzler Hermann Müller und den langjährigen Bundestagsabgeordneten Carlo Schmid vor. Frank sei 1874 in Nonnenweier südlich von Kehl als Sohn einer kleinbürgerlichen, jüdischen Familie geboren. Seine steile Karriere sei ihm nicht in die Wiege gelegt worden. Er habe das Gymnasium in Lahr 1993 als Klassenbester abgeschlossen, wobei er in dieser Zeit bereits erste Begegnungen – auch als Mitglied im „Lessingverein“ – mit dem Sozialismus hatte. Als Klassenprimus sei ihm die Abiturientenrede zugefallen, in der Frank Lessing zum Thema machte. Bangert zitierte aus dieser Rede, die einen Skandal auslöste und die ihn beinahe das Abitur gekostet hätte. Frank studierte in Freiburg und Berlin Jura und gehörte einem Sozialwissenschaftlichen Studentenverein an. Parallel absolvierte er eine Militärzeit, ohne allerdings den Rang eines Reserveoffiziers zu erreichen, was wohl mit seiner jüdischen Herkunft und seiner politischen Auffälligkeit aufgrund der Abiturrede zusammenhängt. Er wurde wohl aus gleichen Gründen auch für den Notariatsdienst trotz sehr guten Staatsexamens und Promotion abgelehnt. Seine Entscheidung, sich 1900 als Rechtsanwalt in Mannheim niederzulassen, dürfte nicht politikfrei gefallen sein. Mannheim galt seinerzeit als aufstrebendes Industrie- und Handelszentrum als Hochburg der badischen Sozialdemokratie. Man begegnete ihm in Mannheim zunächst mit gewisser Skepsis, er gewann aber durch sein Engagement und seine Offenheit die Sympathien innerhalb und außerhalb der Sozialdemokratie. Insbesondere bei jungen Menschen stieß Frank auf Begeisterung. Unter seiner maßgeblichen Beteiligung hatte sich in Mannheim 1904 die erste örtliche sozialdemokratische Jugendorganisation konstituiert und 1906 nahm der „Verein junger Arbeiter Deutschlands“ in Mannheim seinen Sitz. In dieser Zeit sei Frank auch Redakteur der Parteizeitschrift „Junge Garde“ gewesen, so Bangert.
Frank sei zunächst 1904 in den Bürgerausschuss, 1905 in den badischen Landtag und 1907 in den Reichstag gewählt worden, wobei er keine Berührungsängste gegenüber den bürgerlichen Kräften hatte. Eine Rücksichtnahme auf angeblich unumstößliche Parteiprinzipien kam für ihn nicht in Frage und dabei nahm er auch Nachteile für seine Karriere in Kauf. Frank war – wenngleich begnadeter Redner – ein Mann der Tat. „Die Emanzipation von der Phrase“ sah er als dringende Aufgabe. Entschlossenes Handeln auch auf der Basis politischer Visionen und zukunftsgerichteter Zielsetzungen zeichneten ihn aus, wobei er sehr konkrete Vorstellungen über ein demokratisches, soziales und friedfertiges Deutschland hatte. Als er 1913 die Kriegsgefahr erkannte, regte er Zusammenkünfte deutscher und französischer Parlamentarier an, die 1913 in Bern und 1914 in Basel stattfanden. Als der Krieg nicht verhindert worden konnte, glaubte er an eine politische Honorierung des Kriegseinsatzes der Arbeiterbewegung und meldete sich freiwillig an die Front. Er fiel bereits am 3. September in Lothringen. Die französische sozialistische Zeitung „Humanité“ würdigte ihn ebenso in einem Nachruf wie die dänische Zeitung „Politiken“, die Frank als „einen der besten Männer der deutschen Demokratie“ rühmte.
Die Stadt Mannheim widmete ihm ein Denkmal im Unteren Luisenpark, eine Wohnanlage in der Neckarstadt erhielt den Namen „Ludwig-Frank-Block“. Auch eine Straße, ein Gymnasium, eine Bundeswehrkaserne, ein Kindergarten und ein Studentenwohnheim wurden nach dem Mann benannt, in dem viele den berufenen Nachfolger August Bebels sahen, der seinen jungen badischen Genossen einmal seinen „Liebling“ genannt hatte.




