Demokratie bleibt eine Daueraufgabe
125 Jahre SPD Laudenbach sind für die Festredner Anlass, zurückzublicken und zugleich nach vorne zu schauen.
31. Oktober 2026 – 125 Jahre sind eine lange Zeit. Kaiserreich, zwei Weltkriege, die nationalsozialistische Diktatur, Wiederaufbau und deutsche Einheit: Der SPD-Ortsverein Laudenbach hat in seiner Geschichte politische Umbrüche erlebt, schwierige Zeiten überstanden und die Entwicklung der Gemeinde mitgeprägt. Bei einer Jubiläumsmatinee im Festsaal der Sonnbergschule blickten die Sozialdemokraten nun nicht nur zurück. Angesichts der aktuellen politischen Herausforderungen ging der Blick auch in die Zukunft. Wie lässt sich die Demokratie stärken? Wie kann gesellschaftlicher Zusammenhalt gelingen? Und wie bleiben Städte und Gemeinden handlungsfähig?
Zahlreiche Ehrengäste, Vertreter benachbarter Ortsvereine, örtlicher Vereine und anderer Parteien sowie Mitglieder waren gekommen, um auf 125 Jahre Sozialdemokratie in Laudenbach anzustoßen. Co-Vorsitzende Yvonne Weiß sprach von einem stolzen Meilenstein. Ihr besonderer Respekt galt den Generationen, die den Ortsverein auch unter schwierigsten Bedingungen am Leben gehalten hatten. Laudenbach habe sich seit 1901 grundlegend verändert, die sozialdemokratischen Werte Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit seien jedoch geblieben.
Ein Protokollbuch erzählt Geschichte
Wie bewegt diese 125 Jahre waren, zeigte der stellvertretende Vorsitzende Herbert Bangert bei seinem Streifzug durch die Ortsvereinsgeschichte. Dabei spielte ein lange verschollenes Protokollbuch eine besondere Rolle. Erst 1988 tauchte das Dokument aus den Jahren 1914 bis 1933 wieder auf. Darin fand sich ein Hinweis auf die Feier zum 25-jährigen Bestehen im Jahr 1926. Damit ließ sich die Gründung des Ortsvereins auf 1901 datieren.
Besonders bedrückend ist der letzte Eintrag vom 19. Mai 1933. Angesichts der nationalsozialistischen Machtergreifung endet das Protokollbuch mit der bangen Frage: „Wird die SPD nochmals auferstehen?“ Die Antwort gab die Geschichte: 1946 wurde der Ortsverein wiedergegründet.
Bangert erinnerte an die sozialdemokratischen Bürgermeister Adam Thron und Fritz Kaiser, die mit Investitionen in die Infrastruktur wichtige Grundlagen für die Entwicklung Laudenbachs schufen. Auch die zahlreichen Aktivitäten des Ortsvereins, die Unterstützung der Partnergemeinde Straußfurt in Thüringen nach dem Mauerfall und der Besuch des damaligen SPD-Vorsitzenden Franz Müntefering im Mai 2004 kamen zur Sprache. Als besonderen politischen Erfolg würdigte Bangert die Bürgermeisterwahl 2019, bei der sich der von SPD und Grünen unterstützte Benjamin Köpfle durchsetzte. Zugleich erinnerte er an das Engagement gegen Rechtsextremismus und die Pflege der Erinnerungskultur. Mit einem Gedanken von Willy Brandt schlug er den Bogen in die Gegenwart: Wer Gutes bewirken wolle, müsse „auf der Höhe der Zeit“ sein.
Castellucci für mehr Zuversicht
Dass sich eine traditionsreiche Partei nicht allein auf ihre Vergangenheit verlassen kann, machte der Schirmherr der Jubiläumsfeier, Bundestagsabgeordneter Lars Castellucci, deutlich. Er erinnerte an den früheren Bundespräsidenten Johannes Rau und dessen Überzeugung, dass Politik das Leben der Menschen verbessern müsse.
Castellucci beschäftigte vor allem die schlechte Stimmung im Land. Die Politik müsse wieder Zuversicht vermitteln und deutlich machen, dass Probleme gelöst werden könnten. Als Beispiel schilderte er Eindrücke einer Indienreise. Dort habe er selbst unter Menschen in ärmlichen Verhältnissen eine bemerkenswerte Aufbruchstimmung erlebt. Zurück in Deutschland sei ihm dagegen viel Unzufriedenheit begegnet.
„Man müsse doch sehen und würdigen können, was wir in unserem Land haben“, forderte der Bundestagsabgeordnete. Deutliche Worte fand Castellucci mit Blick auf die AfD und die politische Entwicklung in Sachsen-Anhalt. Unter großem Beifall sprach er sich für ein Verbot von Parteien aus, die nicht auf dem Boden des Grundgesetzes stünden. Zugleich warnte er davor, sich politisch nur noch mit den Rändern zu beschäftigen. Wichtiger sei es, die eigenen Ziele deutlich zu machen und den Menschen Hoffnung zu geben. Die SPD müsse sich ihrer Wurzeln als Partei der Arbeit, des sozialen Friedens und der internationalen Zusammenarbeit bewusst bleiben.
Bürgermeister Benjamin Köpfle verband seine Glückwünsche mit einem deutlichen Appell an die Politik. Die Tagesordnung des SPD-Ortsvereins sei auch nach 125 Jahren längst nicht abgearbeitet. Die Verteidigung der Demokratie gegen ihre Feinde sei eine gemeinsame Aufgabe aller demokratischen Parteien. Köpfle würdigte den Einfluss der Sozialdemokraten auf die Entwicklung Laudenbachs. Dabei erinnerte er nicht nur an seine Amtsvorgänger Thron und Kaiser, sondern auch an die Gründung der örtlichen Arbeiterwohlfahrt durch SPD-Mitglieder im Jahr 1955. Ein besonderes Gedenken galt dem kürzlich verstorbenen Gerd Dember, der das politische und gesellschaftliche Leben über Jahrzehnte mitgeprägt hatte.
Mit Blick auf die angespannte Finanzlage der Kommunen richtete Köpfle eine klare Forderung an Castellucci. Städte, Gemeinden und Landkreise benötigten eine dauerhaft ausreichende Finanzierung, um ihre Infrastruktur und Angebote erhalten zu können. Zugleich müsse die Bürokratie abgebaut werden. Sein Appell: „Lasst uns einfacher arbeiten, mit weniger Nachweisen und mehr Vertrauen in die Verantwortlichen vor Ort.“ Auch gesellschaftspolitisch sah Köpfle Reformbedarf. Während sich der Staat nach seiner Einschätzung im Sozialbereich teilweise übernommen habe, müsse zugleich die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich berücksichtigt werden. Er sprach sich für grundlegende Reformen bei der Erbschafts- und Vermögenssteuer sowie der Schuldenbremse aus.
Demokratie lebt vom Mitmachen
Für die Arbeitsgemeinschaft Laudenbacher Vereine gratulierte Vorsitzender Hans-Joachim Gottuck. Er würdigte 125 Jahre Ortsvereinsgeschichte als Ausdruck von Beständigkeit und ehrenamtlichem Engagement. Co-Vorsitzende und SPD-Fraktionssprecherin Ulrike Schweizer mahnte, die von innen und außen bedrohte Demokratie entschlossen zu verteidigen. Dass die Geschichte der Sozialdemokratie nicht nur aus politischen Reden und Beschlüssen besteht, sondern auch aus Liedern, Gemeinschaft und gelebter Solidarität, zeigte die musikalische Begleitung. Der Pfälzer Liedermacher Uli Valnion, kürzlich mit der Verdienstmedaille des Landes Rheinland-Pfalz ausgezeichnet, präsentierte Lieder der Arbeiter-, Demokratie- und Freiheitsbewegung.
Zum Abschluss erklang „Wann wir schreiten Seit’ an Seit’“. Viele Gäste stimmten ein. So endete die Jubiläumsfeier mit einem Lied, das seit Generationen für Zusammenhalt und gemeinsame Überzeugungen steht – und damit gut zu einem Ortsverein passte, der auf 125 bewegte Jahre zurückblickt.




















